Bloggen Geisteswissenschaftler

 

Auch wenn viele von uns privat vielleicht auf Facebook zu finden sind, twittern und eventuell noch einen Google+ Account haben – bloggen gehört nicht gerade zu den Paradedisziplinen der Geisteswissenschaftler. Es besteht sogar oftmals eine richtige Scheu, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Ich habe zwar die Erfahrung gemacht, dass viele durchaus mit dem Gedanken spielen, ob ein eigener Blog nicht mal in Angriff zu nehmen wäre, aber meist werden dahin gehend keine weiteren Schritte unternommen, weil…

… die Idee zu einem Thema fehlt

Zu bloggen macht natürlich nur dann Sinn, wenn man auch ein Thema hat, über das es sich zu schreiben lohnt. Dabei sollte man sich überlegen, für welche Themen man sich privat oder auch beruflich bzw. im Studium interessiert und was vielleicht auch andere Menschen interessieren könnte. Bist du in etwas wirklich gut und könntest in diesem Bereich dein Wissen teilen? Machst du etwas wirklich gern und würdest mit anderen deine Erfahrungen teilen? Grundsätzlich bist du völlig frei in der Wahl deines Themas, allerdings solltest du dir schon überlegen, ob du deinen Blog mehr privat betreiben möchtest oder beruflich ausrichten willst. Wenn du zum Beispiel super gern kochst und regionale Rezepte liebst, dann sollte dich nichts davon abhalten darüber zu schreiben und deine Rezepte zu teilen. Wenn du bloggen allerdings als Strategie für dein berufliches Weiterkommen nutzen möchtest, dann wähle lieber ein Thema, das auch tatsächlich mit deinen beruflichen Interessen zu tun hat.

Wenn dir absolut kein Thema einfallen will, setz dich doch mal mit Freunden oder Kollegen zusammen (vielleicht bei einem Bier) und macht ein kleines Brainstorming.

… das Wissen im Umgang mit der Technik fehlt

Sich eine eigene Webseite oder einen eignen Blog aufzubauen, klingt für viele (Geisteswissenschaftler) nach einer technischen Hürde, die nicht zu überwinden ist, schon gar nicht ohne professionelle Hilfe. Dabei ist das Einrichten eines Blogs und der Umgang mit der Software noch nie so einfach gewesen wie heute. Content Management Systeme wie WordPress werden von Update zu Update benutzerfreundlicher und sind schnell zu erlernen. Zudem gibt es da draußen eine wirklich große Community die mit Systemen wie WordPress arbeitet, sodass es eine Fülle an Tutorials, Hilfewebseiten und Foren gibt. Viele verfügbare Medien richten sich dabei gezielt an Anfänger und erklären Schritt für Schritt, wie man sich ohne Vorkenntnisse einen eigenen Blog aufbauen kann. Gemeint sind z.B. Bücher wie Einstieg in WordPress 4, Lern-DVDs wie WordPress 4: 11 Stunden WordPress-Praxis für Einsteiger und Fortgeschrittene oder frei verfügbare Tutorials auf Youtube – hier ist für jeden Lerntyp und jedes Budget etwas dabei. Nicht vergessen: teure Fachbücher und Lern-DVDs kann man auch über die Unibibliothek anschaffen lassen, wenn sie nicht sogar schon vorhanden sind.

… der Sinn und Zweck eines Blogs nicht klar ist

Warum soll ich überhaupt bloggen? Gibt es nicht schon genug Blogs da draußen und Menschen mit ausgeprägtem Mitteilungsbedürfnis? Die Antwort lautet: Ja – gibt es. Aber dieser Ansatz ist zu kurz gedacht und lässt völlig außer Acht, welche Vorteile eine eigene Webseite für dich haben kann. Erst einmal lernst du ganz viele nützliche Skills, wenn du dir einen eigenen Blog aufbaust. Du lernst den Umgang mit einem Content Management System, du schulst dich im Schreiben und du beschäftigst dich nebenher mit Bildbearbeitung, Webdesign, Social Media, Suchmaschinenoptimierung und was eigentlich eine Zielgruppe ist bzw. wie man diese anspricht. Das alles sind nicht zu unterschätzende Fähigkeiten, die im Beruf immer stärker nachgefragt oder sogar vorausgesetzt werden.

Darüber hinaus fördert ein Blog das Netzwerken sowie deine Onlinereputation. Du hast die Chance dich für ein bestimmtes (Nischen-)Thema als Experte zu etablieren und lernst Gleichgesinnte kennen.

… die Angst da ist etwas falsch zu machen

Was, wenn der Blog von Außenstehenden oder Personalern eher als „Makel“ empfunden wird? Zum Beispiel weil er unprofessionell aussieht oder die Inhalte niemanden interessieren und schlecht aufbereitet sind? Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen und es braucht natürlich seine Zeit, bis man ein Gefühl dafür bekommt, was gutes Bloggen ausmacht und welche Themen die eigene Zielgruppe interessiert. Deswegen kann man zu Beginn auch erst einmal unter einem Pseudonym oder nur dem Vornamen bloggen, bis man sich sicher in der Materie fühlt. Wenn der Blog sich dann langsam entwickelt hat und man ein gutes Gefühl bei der Sache hat, kann man auch dafür sorgen, dass er beim Googeln des eigenen Namens in der Trefferliste erscheint oder man gibt ihn in Bewerbungen als Referenz an (insofern es thematisch sinnvoll ist).

… man den zeitlichen Aufwand fürchtet

Ja ein eigener Blog frisst natürlich Zeit, insbesondere zu Beginn, wenn alles eingerichtet werden muss. Da sitzt man dann schon mehrere Tage dran, bis das Design sitzt und die ersten Artikel geschrieben sind. Aber: Bloggen soll Spaß machen! Wer sich mit der Vorstellung überhaupt nicht anfreunden kann, der soll tatsächlich lieber die Finger davon lassen. Meiner Meinung nach kann ein Blog nur gut werden, wenn man Spaß an der Sache entwickelt und neugierig ist, etwas neues dazu zu lernen. Und wenn das der Fall ist, empfindet man die investierte Zeit auch nicht mehr als Arbeit, sondern wie ein Hobby. Ist der Blog auch erst einmal fertig eingerichtet, nimmt der administrative Aufwand stark ab. Und dann liegt es an einem selbst, wie viel Zeit man in sein Projekt investieren möchte.

Meine persönlichen Erfahrungen

Rückblickend würde ich sagen, dass dieser Blog hier eine meiner besten Entscheidungen gewesen ist. Ich habe mir eine Reihe neuer Skills angeeignet, habe sehr viele tolle Menschen kennen gelernt, bin als Rednerin zu Veranstaltungen eingeladen worden, konnte an meiner Uni eigene Workshops zum Thema initiieren und habe es geschafft, mich langsam als Expertin in Sachen Berufseinstieg für Geisteswissenschaftler zu etablieren. Beruflich hat es mir in der Tat nur Vorteile gebracht. Und das Schöne daran: Um das zu erreichen, musste ich mich nirgendwo bewerben oder nervige, schlecht bezahlte Praktika absolvieren. Rund um meinen Blog bin ich mein eigener Chef. Ich schreibe nur über Themen, die mich interessieren und der Aufwand lässt sich hervorragend mit meinen anderen Jobs und meinem Studium vereinbaren.

Hilfen für den Start

Ich hoffe, ich konnte dich ein wenig auf den Geschmack bringen und dir die ein oder andere Angst nehmen. Wenn du nun endlich loslegen willst, kann ich dir noch folgende Tipps und Ressourcen mit auf den Weg geben:

Ihr bloggenden Geisteswissenschaftler – wo seid ihr?

Was ich hier geschrieben habe, ist für dich nur kalter Kaffee, denn du hast längst einen eignen Blog? Dann lass mal hören! Schreib einen Kommentar, stell uns deinen Blog vor und lass uns an deinen Erfahrungen teilhaben! Wie bist du zum Bloggen gekommen und welches Thema behandelst du? Welche positiven oder auch negativen Erfahrungen hast du gemacht? In welcher Hinsicht profitierst du vielleicht von deinem Blog? Was macht dir besonders Spaß? Ich freue mich auf eure Kommentare!